
Der wohl schönste Rheingauer Wanderweg zwischen Rüdesheim und Assmannshausen führt durch vergessene Weinberge im Assmannshäuser Berg.
Nirgendwo fällt der Berg steiler zum Rhein hin ab, nirgendwo spürt man den Hauch jahrhundertealter Weinbaukultur mehr als hier in den vergessenen Terrassen zwischen der Burgruine Ehrenfels und dem Assmannshäuser Frankenthal.
Losberg - Maulwärts - Schwarze Lai - Binger Loch. Kleinparzellen mit eigenem Namen und eigener Geschichte schieben sich mühsam und von unzähligen Mauern gestützt an Felsen und Steinhalden vorbei hinauf zum Niederwald.
Hier im Rheinknie, wo eine kleine “Delle” im Berg den Losberg zu einem natürlichen Hohlspiegel gestaltet, entsteht ein durch den Felsenkamm vor Westwind geschütztes Kleinklima, das, unterstützt durch die wärmespeichernden Mauern im Sommer, wahrlich einem Glutofen gleicht.
Unsere Großväter waren sich sehr wohl der Qualität dieser Lagen bewusst und 100 Ar Weinberg waren mitunter ausreichend, um eine Familie zu ernähren. Sie standen auch nicht unter dem täglichen Zeitdruck, der heute zu Mechanisierung, Rationalisierung und immer mehr Wirtschaftlichkeit treibt.
Steigender Weinkonsum in den Sechzigern führte zu einem Produktionsanstieg, dem Qualität und Preis zum Opfer fielen - das Aus für den nicht mechanisierbaren Terrassenweinbau, so dass hier Mitte der achtziger Jahre kaum noch Weinanbau stattfand.
Im Frühjahr 2005 entschloss ich mich, im Losberg wieder einen Weinberg anzulegen. Am 12. März 2005 wurden die Terrassen entbuscht. Etwa dreizehn Monate später pflanzten wir die ersten Reben. Bis zu diesem Zeitpunkt leisteten wir etwa 300 Arbeitsstunden für 1000 qm Weinberg - zum Vergleich: im mechanisiertem Weinbau würde man für diese Fläche 6 Stunden (!) benötigen.
Die Wiederherstellung der Weinbergsterrassen dient vorrangig dem Naturschutz und der Rekonstruierung der historischen Naturlandschaft. Dieser “Museumsweinberg” ist ein nicht gewinnorientiertes Projekt zugunsten der Allgemeinheit, dem ich meine Fachkenntnisse und Leidenschaft widme.


